• Suchdienst bei Großveranstaltungen
  • Auch bei Großveranstaltungen verlieren sich Menschen aus den Augen und vermissen einander. Zum Beispiel suchen Eltern ihre Kinder, oder Kinder ihre Eltern. Bei großen Sportveranstaltungen werden darüber hinaus viele Menschen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und dadurch für ihre Freunde und Verwandten vorübergehend nicht erreichbar sein. Diese Situationen sind - im Kleinen - denen einer Katastrophe oder eines Großschadensereignisses sehr ähnlich, daher können wir vom DRK-Suchdienst auch hier wertvolle Hilfe leisten.

    Wir betreuen regelmäßig Großveranstaltungen in unserer Stadt, so z.B. den BMW Frankfurt Marathon und den IRONMAN Germany. Dabei kommt in einigen Fällen, neben dem Sanitäts- und Rettungsdienst, auch der Suchdienst, d.h. das Kreisauskunftsbüro (KAB), zum Einsatz.

    Bei Großveranstaltungen richten wir eine Informations- und Auskunftsstelle ein, an die sich jeder wenden kann, der jemanden auf der Veranstaltung vermisst. Wir recherchieren die gesuchten Personen in unseren Datenbeständen, zu denen bei Sportveranstaltungen insbesondere auch Patientendaten gehören, die wir dazu zusammenführen und teilweise speichern. Die suchenden Personen werden von uns individuell beraten und betreut, bis hin zur psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) und praktischer Unterstützung. Diese Hilfen sind für die betroffenen Menschen immer kostenlos.

  • Personenauskunftsstelle
  • Staatlicher Auftrag
  • Bis Ende 2010 gab es in Hessen die Gemeinsame Auskunftsstelle (GASt) der Hilfsorganisationen, die den Suchdienst im Katastrophenfall zusammen betreiben sollten. Mit Blick auf die umfangreichen praktischen Erfahrungen und die Weiterentwicklung des DRK-Suchdienstes in den vergangenen Jahren - z.B. durch Schaffung eines bundeseinheitlichen, EDV-basierten Suchdienst-Netzwerkes (Xenios) - hat das Land Hessen seit 2011 die Kreisauskunftsbüros des Hessischen Roten Kreuzes damit beauftragt, im Falle einer Katastrophe oder eines Großschadensereignisses eine Personenauskunftsstelle einzurichten.

    Im aktuell geltenden KatS-Konzept (Abschnitt 1.18.4) heisst es dazu: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) richtet, auf Grundlage einer Vereinbarung mit dem Bund über die Durchführung von Suchdiensttätigkeiten (Suchdienstvereinbarung) vom 28. Mai 1958, in der Fassung 8. Juni 2001, bei Katastrophen und Großschadenlagen auf Anordnung der unteren KatS-Behörde ein KAB ein, von dem alle Betroffenen nach bundesweit festgelegten Registriermustern erfasst werden. Angehörige können dort Auskunft über den Verbleib von den Betroffenen erhalten. Alle Einheiten und Einrichtungen sind aus diesem Grund gehalten, die Registrierungsunterlagen an diese Auskunftsstelle weiterzuleiten, um den Angehörigen von Betroffenen eines Schadensereignisses Auskunft über deren Verbleib geben zu können.

    Im Sonderschutzplan Registrierung von Betroffenen bei Katastrophen und Großschadenlagen (Sonderschutzplan 1 im Aufgabenbereich 6 = Betreuung) werden u.a. die DRK-Kartensysteme für das Land Hessen festgelegt: Suchdienstkarte für Verletzte/Kranke, Meldekarte für Einsatzkräfte, Ausweis- und Bezugskarte, Begleitkarte.

  • Unsere Aufgaben
  • In der Anlage Teil 2 des KatS-Konzepts (Abschnitt 2.18) werden die Aufgaben des Kreisauskunftsbüros (KAB) im Katastrophenfall und bei Großschadensereignissen festgelegt: Das KAB

    • richtet die Personenauskunftsstelle als zentrale Anlaufstelle ein,
    • nimmt Informationen über verletzte und unverletzte Betroffene entgegen,
    • sammelt, bearbeitet und wertet Informationen über Betroffene aus,
    • nimmt telefonische und persönliche Suchanfragen aus der Bevölkerung entgegen und
    • erteilt Auskunft an Angehörige von Betroffenen über deren Verbleib.

    Ein KAB als Einsatzformation im Sinne des KatS-Konzepts besteht aus 24 Helferinnen und Helfern (Stärke: 1/4/18/24). Es setzt sich aus einem Führungstrupp, einer Aufnahmestaffel, einem Verarbeitungstrupp, einer Erfassungsstaffel und einem Auskunftstrupp zusammen. Die KABs in Hessen unterstützen sich gegenseitig, um jederzeit und flächendeckend Einsatzbereitschaft sicherzustellen.

  • DRK-Auskunftsstellen im Einsatz
  • Bei diesen ausgewählte Ereignisse - Katastrophen, Großschadensereignisse und Großveranstaltungen - der vergangenen Jahren, wurden deutschlandweit Auskunftsstellen des DRK-Kreisauskunftsbüros eingerichtet:

    • Elbeflut 2002 (Hintergrund)
    • Tsunami 2004: Hotline für Angehörige in Deutschland (Hintergrund)
    • Fußball-Weltmeisterschaft 2006: bundesweit (Hintergrund)
    • G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 (Hintergrund)
    • Hochwasser in Sachsen und Bayern 2004 und 2008
    • Busunglück in Radevormwald 2009 (Hintergrund)
    • Amoklauf in Winnenden 2009 (Hintergrund)
    • NATO-Gipfel in Kehl und Baden-Baden 2009
    • Bundesweite Hochwasserlage 2010 (Hintergrund)
    • Loveparade in Duisburg 2010 (Hintergrund)
    • Hochwasser in mehreren Bundesländern (Hintergrund)
  • Amtliches Auskunftsbüro in Frankfurt am Main
  • Staatlicher Auftrag
  • Die Bundesrepublik Deutschland hat alle vier Genfer Abkommen und die drei Zusatzprotokolle ratifiziert, die die Basis des Humanitären Völkerrechts bilden. Dadurch ist die Bundesregierung verpflichtet, bei Ausbruch eines Konfliktes ein Amtliches Auskunftsbüro einzurichten. Mit dieser Aufgabe hat es 1966 den DRK-Suchdienst beauftragt, und dieser Auftrag wurde 2001 in einer Suchdienstvereinbarung bestätigt. Auch das DRK-Gesetz, ein 2008 verabschiedetes Bundesgesetz, bestätigt das noch einmal.

  • Unsere Aufgaben
  • Im Konfliktfall nehmen wir humanitäre Aufgaben wahr, die in den Genfer Abkommen festgelegt sind. Sie betreffen ausländische Kriegsgefangene und geschützte Zivilpersonen, die von der Bundesrepublik festgehalten werden sowie die eigene Bevölkerung.

    • Entgegennahme oder Erstellung der Meldungen bzgl. geschützter Zivilpersonen von der zuständigen Verwaltungsbehörde der Stadt Frankfurt am Main 
    • Sorge für die Weiterleitung der Meldungen
    • Mitwirkung bei Vermittlung des Internierten- und Kriegsgefangenenschriftwechsels
    • Hilfen für Kinder unter 15 Jahren
    • Sicherstellung des Familienschriftwechsels
    • Nachforschungen nach Verbleib getrennter Familien
    • Familienzusammenführung
    • Benachrichtigung von Familien, deren Angehörige in Kriegsgefangenschaft geraten sind oder im Ausland interniert wurden, anhand IKRK-Meldungen
    • Aushändigung zugestellter persönlicher Wertgegenstände ehemaliger Kriegsgefangener und Internierter an die betroffenen Familien, 
    • Beratung der Familien in allen Fragen, die mit dem kriegsbedingten Schicksal eines Angehörigen zusammen hängen

     

    Unsere Tätigkeit im Konfliktfall wird vom DRK-Suchdienst in München koordiniert, der seinerseits mit dem internationalen Suchdienst des IKRK zusammenarbeit.